Der Tiroler Athos – eine Kloster- und Kirchenlandschaft auf dem Berg

Drei Kirchen – Drei Wallfahrten

Die älteste Kirche auf dem St. Georgenberg ist die Lindenkirche. Teile dieses Gotteshauses oberhalb des Klosters stammen aus dem 13. Jahrhundert; sie wurde in der Epoche der Gotik erweitert, im 18. Jahrhundert im barocken Stil angereichert, im 19. Jahrhundert neugotisch umgestaltet und von 2011 bis 2014 unter der künstlerischen Leitung von Domkapitular Jürgen Lenssen renoviert und modernisiert. Das Kirche ist “Maria unter der Linde” geweiht und beherbergte bis 1736 das Gnadenbild. Zwei Darstellungen der göttlichen Dreifaltigkeit weisen auf die Umwidmung der Kirche hin, als das Gnadenbild in die neu errichtete Wallfahrtskirche umzog.

Die Kirche ist in den Sommermonaten von Ostern bis Oktober tagsüber geöffnet und lädt zum stillen Gebet und zum Verweilen ein. Außerdem wird in dieser Zeit am ersten Samstag im Monat hier die Eucharistie gefeiert. Hier können auch kleine Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten und Jubiläen stattfinden.

Die jetzige Kloster- und Wallfahrtskirche zum hl. Georg und zum hl. Jakobus wurde im 17. Jahrhundert nach dem verheerenden Brand von 1637 an der Stelle der mittelalterlichen Kirche errichtet. Nach dem vierten Klosterbrand von 1705 wurde sie im spätbarocken Stil wieder aufgebaut und am 3. Juni 1735 eingeweiht. Bemerkenswert ist, dass die Achse des Kirchenbaus um 90° gedreht wurde und nun nach Süden ausgerichtet ist. In der kleinen, aber doch reich ausgestalteten Barockkirche befinden sich sowohl das Gnadenbild der schmerzhaften Mutter, die Reliquie des hl. Georg als auch die Ampulle mit dem eingetrockneten Rest des Blutwunders von 1310. Die Orgel von 1880 ist ein Spätwerk des Tiroler Orgelbauers Josef Aigner.

In der Kirche wird in den Sommermonaten von Ostern bis Oktober täglich um 15 Uhr Eucharistie gefeiert, an Sonn- und Feiertagen ganzjährig um 10.30 Uhr und um 15 Uhr. Um 17 Uhr wird an Sonn- und Feiertagen hier die Vesper, das kirchliche Abendlob, gesungen. Die Kirche ist das Ziel von Wallfahrten aus Tirol, Bayern und darüber hinaus.

Die jüngste Kirche ist die im Jahre 2019 eingeweihte Chorkapelle, die mit dem Um- und teilweisen Neubau der Klostergebäude errichtet und nach Plänen von Domkapitular Jürgen Lenssen gestaltet wurde. Sie dient der kleinen benediktinischen Gemeinschaft als Ort für das täglich vollzogene Stundengebet, zu dem auch die Hausgäste eingeladen sind. In den Wintermonaten von November bis Ostern wird an Werktagen hier um 15 Uhr die Eucharistie gefeiert; wer daran teilnehmen möchte, melde sich an der Klosterpforte bzw. im Klosterladen. Nach Voranmeldung können Pilger und Tagesgäste auch an der Vesper um 18 Uhr teilnehmen.

Die älteste Wallfahrt ist die zum hl. Georg. Die in einem Strahlenkranz eingefasste Reliquie, ein Geschenk Kaiser Heinrichs IV., befindet sich im Hochaltar. Die Gestalt des hl. Georg, starker Kämpfer und Sieger über den Drachen, geht wahrscheinlich zurück auf einen römischen Soldaten, der in der diokletianischen Verfolgung das Martyrium erlitt. Er wird zum Symbol Christi, des Siegers über den Tod; deshalb hält er auch auf vielen Bildern wie der Auferstandene die Siegesfahne in seiner Hand. Er ist neben dem hl. Joseph Patron des Landes Tirol.

HL. GEORG, STARKER KÄMPFER GEGEN DAS BÖSE – STEH UNS BEI UND BITTE FÜR UNS!

Das Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter, ein sogenanntes Vesperbild aus dem Jahre 1415, wurde ursprünglich in der Lindenkirche verehrt. 1736 wurde es in die Wallfahrtskirche übertragen, wo es seitdem im Hochaltar seinen Platz hat; nur während des 2. Weltkrieges, als Kloster und Wallfahrtskirche vom Nazi-Regime beschlagnahmt waren, befand es sich in der Pfarrkirche in Stans. 1945 wurde es in einem großen Triumphzug in die Wallfahrtskirche zurückgebracht. Zahlreiche Pilger bringen ihre Anliegen zur Gottesmutter, ihre Sorgen und Nöte, ihre Freude und ihren Dank. Davon zeugen die zahlreichen Gebetskerzen, die entzündet werden, und die Votivtafeln an der Nordwand der Kirche.

HL. MARIA, MUTTER DER SCHMERZEN, ZUFLUCHT DER SÜNDER – TRITT FÜR UNS EIN BEI DEINEM SOHN!

Die Wallfahrt zum kostbaren Blut geht auf ein Blutwunder zurück, das im Jahre 1310 geschehen sein soll. Der konsekrierte Wein im Kelch eines zelebrierenden Priesters, der an der wirklichen Gegenwart Jesu in der Eucharistie zweifelte, verwandelte sich in menschliches Blut. Ein Rest dieses Blutes wird in einer Ampulle in einer barocken Monstranz, die sich über dem Tabernakel im Hochaltar befindet, aufbewahrt. Pilger empfangen den Segen mit dieser Reliquie z. B. bei den Nachtwallfahrten, die von Mai bis Oktober jeweils am 13. des Monats stattfinden.

HERR JESUS CHRISTUS, DU HAST FÜR UNS DEIN BLUT VERGOSSEN – ERBARME DICH ÜBER UNS UND ÜBER DIE GANZE WELT!

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